Hubert Fichte Fichtes Feldstudien sind Innenansichten aus der Welt der Dirnen
und Stricher, sie folgen der Ökonomie des Anschaffens und 'Schluckens',
sie zeichnen die Deformationen des Eros nach, die Perversionen
der Normalität, das Halbdunkel der Kontakthöfe und die schweren
Haschisch-Träume in den Zeiten vor Aids. Fichte: Was tust du am liebsten? Inhalt: Stimmen der Kritik: "Möge man sich an Hubert Fichte erfreuen: seine St. Pauli Interviews sind bei supposé erschienen und höchster Empfehlung wohl wert..." (Der Standard,
Wien) "Hubert Fichtes Unterhaltungen mit Sandra, Ulli und Johnny sind
etwas Besonderes: die ideale Verbindung von Kiez und Kunst. Gespräche
über Cabrios und Cunnilingus, über Schlägereien, Stricher und
die Streitigkeiten mit der Sitte; über die Frage, wann im Rotlichtmilieu
auch der Hartgesottenste 'seinen Moralischen kriegt'." (Bayerischer
Rundfunk, Kulturkritik) "Zwei CDs mit Originalaufnahmen des 'lyrischen Reporters' Hubert
Fichte: Subkultur vor 30 Jahren, vor Punk, vor Aids, vor der Talkshow-Welle
und vor dem Internet: irre spannend..." (Süddeutsche Zeitung,
jetzt: Magazin) "Ein Schatz!" (Lift, Stuttgart) "Die St. Pauli Interviews führen unmittelbar ins Zentrum von Fichtes Methode. Tatsächlich
beruhen die meisten seiner Bücher, insbesondere der frühen Erfolge
Die Palette oder Wolli Indienfahrer auf ausgedehnten Sozialrecherchen. Mit dem Bandgerät tat Fichte
sich im Hamburger Rotlichtmilieu um, sprach mit Prostituierten
und Bordellangestellten. Weite Teile seiner Romane sind regelrechte
Abschriften. Bis zuletzt hat Fichte auf diese Weise gearbeitet,
diente ihm das Tonbandprotokoll als Mittel der unmittelbaren Dokumentation.
Die St. Pauli Interviews weisen ihn als sensiblen Frager aus, dem die Interviewten auch
intime Details anvertrauen. Fichtes behutsame Direktheit fördert
jene dunklen Bereiche zutage, von denen Paul Feyerabend sprach.
Er öffnet uns exemplarisch die Personen, die auf der Schattenseite
des Lebens stehen, seien es nun wie hier Protagonisten der deutschen
Halbwelt oder der unterprivilegierten Dritten Welt, denen die
späteren Interviews des Hamburger Autors galten. Diese Fichte-Bänder,
weitere sollen folgen, ermöglichen der Literaturwissenschaft einen
neuen Zugang zum Werk eines Schriftstellers, der zu Unrecht etwas
in Vergessenheit geraten ist." (Deutschlandfunk, Büchermarkt) "Hubert Fichte jetzt auf CD, mit den zu Herzen gehenden Originaltönen
seiner Interviews aus dem Palais d'Amour , Hamburg, 1969, mit
Ulli, Wolli, Sandra und Johnny. Fichtes Stimme klingt durch und
durch sympathisch, seine Art zu sprechen wirkt auf mich ganz wie
von heute..." (aus: Thomas Meinecke, Hellblau, Roman) "Fichte interpretiert nicht, er suggeriert nicht, er lässt den
anderen sprechen und vermittelt das Gefühl, daß die Situation
nicht ausgeschlachtet wird. Darum ist auch in den Stimmen der
Stricher nichts Aufgeregtes, kein Gefühl, dass man jetzt sein
Fünf-Minuten-Berühmt-und-Wichtig-Sein erlebt. Das ist unspektakulär,
nüchtern und unglamourös - legt aber den Blick frei auf die Ungeheuerlichkeiten,
die etwa Ulli erzählt... Fichte strebt aber über Hamburg hinaus.
Die Reisen, die er unternimmt, führen ihn durch Afrika, Süd- und
Lateinamerika und New York. Anfang der 80er Jahre entsteht Gott ist ein Mathematiker. Der Unterschied zu den St. Pauli Interviews könnte nicht größer sein, nicht nur weil es sich nicht um Interviews
handelt... Wenn es einen Zusammenhang zwischen St. Pauli und Afrika
gibt, dann durch die Person Fichtes, durch diese entschlossene
Behutsamkeit, sich dem jeweiligen Gegenstand zu nähern. Fichte
wiederum stilisiert sich aber nicht als Demiurg, der die Dinge
im Griff hat. Was evident wird, ist das Disparate, die Distanz,
die Uneinholbarkeit bestimmter Erfahrungen. Es bleibt aber auch
die Möglichkeit, uns, die Hörer, daran teilhaben zu lassen..."
(SPEX) "Die Interviews, obwohl mehr als 30 Jahre alt, wirken erstaunlich
modern. Wer jetzt die Maulhurerei von RTL Zwei erwartet, liegt
denkbar falsch. Hier tarnt sich kein Voyeurismus als Journalismus.
Fichte rechtfertigt nicht, er verteidigt nicht. Es fehlt alle
St. Pauli-Exotik, alles Künstlich-Aufgeregte, alles Voyeuristische,
alles Bigotte... Ein spannendes Hörerlebnis!" (Bayerischer Rundfunk,
mk - Magazin für Medienkunst) "Für Fans des 1986 verstorbenen schwulen Hamburger Schriftstellers
sind diese (Wieder-)Entdeckungen wahre Juwelen ... Ein absolut
überraschender Schatz, den die Herausgeber Nils Röller und Klaus
Sander gehoben haben: fünf jener Originalinterviews mit Strichern,
Nutten und Bordellangestellten, die Fichte 1969 als Recherche
für seine Bücher führte und in denen er feinfühlig und doch direkt,
ohne sensationsheischende Aufgeregtheit die Subkultur der Reeperbahn
von innen beleuchtete." (Axel Schock, hinnerk) "In die Nischen sexueller Verhältnisse im Kapitalismus guckte
Fichte gern genauer. Entdeckt hat er dort das wahre Leben. Von
nicht geringem Wert sind die Mitschnitte von Fichtes Rechercheinterviews
im Hamburger Rotlichtviertel von 1969. Fichtes ausgesprochen komplexe
Fragetechnik scheint nur vordergründig journalistische Gepflogenheiten
zu bedienen. Eher schon verweist sie auf eine Literaturgattung,
die es in der Bundesrepublik nie so recht gab und die in der DDR
erblühte: die Protokoll-Literatur. So wie diese fragt Fichte abseits
von Mainstream und Medien vornehmlich enge Freunde nach Leben
und Arbeit. Etwa die junge Hure Sandra oder den Bordellbesitzer
Wolfgang Köhler ... Sieg nach Punkten für St. Pauli!" (Dirk Ruder,
Junge Welt) "Fichtes voller Sympathie und sehr einfühlsam, geradezu zärtlich
geführten, auf geheimnisvolle Weise zu Literatur gewordenen Gespräche,
sind heute auch als sehr zu empfehlende CD bei supposé erhältlich."
(Thomas Meinecke, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
St. Pauli Interviews
Originalaufnahmen, Hamburg 1969
Herausgegeben von Nils Röller und Klaus Sander
Audio-CD, 77 Minuten
ISBN 3-932513-20-7
vergriffen
Zugleich sind diese Dialoge Dokumente einer einzigartigen Rezeption
von Marcel Prousts Suche nach der verlorenen Zeit. Die CD enthält Auszüge aus den erhaltenen Originalaufnahmen
mit den Protagonisten aus Fichtes Roman Wolli Indienfahrer und macht die Interviewtechnik Fichtes akustisch erfahrbar: Es
ist die würdevolle Annäherung an den anderen, mit der Fichte uns
für sich einnimmt.
Wolli: Am liebsten mache ich Liebe, Haschisch rauchen und Musik
hören.
Fichte: Mehr nicht?
Wolli: Ich lese auch gerne, aber am liebsten mache ich Liebe,
wenn du mich fragst.
Fichte: Proust antwortet: la lecture, la rêverie, les vers, lhistoire,
le théâtre - Lektüre, Träumerei, Verse, Geschichte und Theater.
Wolli: Ja, das ist auch schön, aber Proust war vierzehn Jahre,
stell dir mal vor, der hätte gesagt, am liebsten mache ich die
Liebe, da hätte man gesagt, was ist denn das für ein verkommenes
Bürschchen...
Ulli 14:24
Wolli I 16:12
Sandra 12:10
Johnny 13:41
Wolli II (Proust-Fragebogen) 19:37