BESTELLUNG "Ich möchte auch mal die fünf Beatles sein: Stimmen der Kritik: "Wir befinden uns auf der ersten popliterarischen Veranstaltung
Deutschlands: Es muß ein legendärer Abend gewesen sein... Eine
wunderbare Ausgrabung!" (Knut Cordsen, Bayern 2 Radio) "Hubert Fichte ist nicht nur schreibend ganz tief in die Verhältnisse
eingestiegen, in denen junge Gesellschaftsflüchtlinge, Obdachlose,
Homosexuelle, Gammler und andere nicht der Norm entsprechende
Menschen lebten. Fichte beobachtete an Ort und Stelle bis in die
kleinsten Einzelheiten, notierte Gefühlsäußerungen, notierte Körpersprache.
Er schmettert die Sätze heraus, schleudert sie dem Publikum entgegen
und hält die Wörter doch umklammert bis zum nächsten Satz. Erst
dann verlassen sie den Einflussbereich des Autors, dringen ein
in das offene Bewusstsein des Publikums, das vielleicht nur höflich
zuhört, von dem Vorgelesenen dennoch eingefangen wird... Mit der
Mischung aus Lesezirkel und Tanzveranstaltung traf Hubert Fichte
den Nerv vieler junger Menschen, die vom Bildungsbürgertumgetue
und hochgeistiger, in ihren Ohren aber langweiliger Literatur
genug hatten. Mit Fichte sagten sie der nach hinten blickenden
Nachkriegsliteratur älterer Autoren Ade und Bühne frei für die
Probleme der gegenwärtigen Zeit..." (Klaus Hübner, Jazzthetik) "Wenn man sich heute an Hubert Fichte erinnert, denkt man an den
auf der Beatles-Bühne gefeierten Popliteraten. Insofern ist diese
CD eine Aufklärungstat. In schöner, aber nüchterner Aufmachung
kommt sie daher, ohne jede aktualisierende Anbiederung, als Dokument.
Ob hier mit Schlagwörtern wie "Pop-" oder "Beatautor" etwas zu
holen ist, mag der Hörer selbst entscheiden. Etwas anderes aber
wird auf jeden Fall hörbar: Die akustische Dimension von Fichtes
Literatur, der rhythmische Drive ihrer Aufzählungen, Wiederholungen,
Beschleunigungen, Verzögerungen. Das Publikum reagiert so lautstark
wie begeistert auf Fichtes hochartistische, den wild wuchernden
Subkulturjargon der Palettianer gleichwohl mühelos integrierende
Sprache: "Stoff aus Wörtern", heißt es im Buch, "der Stoff ist
mein Kiff". Das erschließt sich bei der Lesung viel schneller
als auf dem Papier - und auch Fichte selbst klingt nicht wenig
erfreut, er steigert sich in seiner kraftvollen Präsentation von
Textblock zu Textblock. Diese Aufnahme zu hören ist nicht nur
ein Vergnügen, es erleichtert auch den Zugang zu Fichtes späteren
Romanen und ethnographischen Arbeiten, gerade zu den im Druckbild
oft sperrig oder gar bloß spleenig scheinenden Listen, Schnitten,
Wortkaskaden." (Jan-Frederik Bandel, konkret) "Welch eine Entdeckung! Weiß der Himmel, wo supposé das alte Tonband
ausgegraben hat. Fichte liest, Ian & the Zodiacs und Ferre Grignard
machen Musik - man meint, es wäre gestern abend in der Kneipe
um die Ecke gewesen..." (Dirk Ruder, Junge Welt) "Daß die Subkultur zu Zeiten der Palette noch wirklich 'underground'
und ebenso neugierig wie selbstbewußt war, läßt sich bei Fichtes
Rezitation im Star-Club gut raushören. An den Publikumsreaktionen
wird das damalige Gegenkultur-Selbstverständnis deutlich, etwa,
wenn bei Fichtes Wortschöpfung 'Senatscowboy (für Polizist) das
ganze Auditorium in lautes Grölen ausbricht. Die Zugehörigkeit
zum exklusiven Kreis der Hipster, Nachteulen, Prolls und Halbseidenen
wurde aber nicht nur mit Erfahrungsgewinn gegenüber den Spießern
'da draußen belohnt. Auch Risiken wie Drogensucht und gesellschaftliche
Ablehnung waren damit verbunden - was Fichte mit seinen Geschichten
über Impotenz durch Heroinsucht, Schwulen-Außenseiter oder die
Aporien der Anti-Atom-Ostermarschierer betont ..." (Olaf Karnik,
Intro) "Der Auftritt markiert die Geburtsstunde der Lesung als popkulturelles
Phänomen." (Nils Kahlefendt, börsenblatt) "Ein außergewöhnliches Dokument." (Harald Fette, Buchhändler heute) "Gehört in jedes Bücherregal mit Gibson und Co., neben dem gleichberechtigt
eine Plattensammlung steht. Daher wäre es schön, würde sie eher
als ein Stück Gegenwart erkannt, denn als etwas Vergangenes ...
Man bekommt den Eindruck, die heutige Realität habe in den 60er
Jahren begonnen." (Wolfgang Frömberg, SPEX) "Spannend! Denn ob Hubert Fichtes Beat und Prosa-Lesung nun tatsächlich die erste popliterarische Veranstaltung
in Deutschland war oder mit Pop eben rein gar nichts zu tun hatte,
darüber kann man nun auch als Nachgeborener mit denen streiten,
die damals dabei gewesen und sich heute noch immer nicht einig
sind." (Gustav Mechlenburg, die tageszeitung) "Eine solche literarische Performance dürfte es bis zum 02. Oktober
1966 in Deutschland noch nicht gegeben haben: Und das macht dieses
Hörbuch zu einem einzigartigen Dokument der 60er Jahre, als sich
die Gegenkultur aus der spießigen Welt der Adenauer-Republik herausschälte...
Die Lesungen der Gruppe 47 machten sich dagegen wie spießige Gymnasiasten-Seancen
aus." (Ingo Zander, WDR 5, Service Buch) "Nachdem seine zu Lebzeiten erschienenen Bücher längere Zeit vergriffen
waren, scheint Fichte seit der CD-Veröffentlichung seiner legendären
Starclub-Lesung tatsächlich so etwas wie ein Comeback als Underground-Poet
und "Pop-Artist der Armen" zu erleben." (Männerschwarm) "Fichte respektiert seine Figuren - auch als politische Wesen.
Von Leuten, die so sind wie die Zuhörer trägt er vor. Von Hamburger
Senats-Cowboys in Polizeiuniform, vom Ostermarsch und auch von
der Homophobie in der Linken: "Wenn sie Erfolg hätten mit der
traditionellen Klampfenwanderung, ihrer Gewaltlosigkeit, ihrer
haschischverstärkten Atomgegnermarschiererei und wenn die Erde
frei wäre von taktischen oder sonstigen Atomwaffen, dann würden
die Tunten immer noch ausgelacht, wenn sie beim Regen im Gebüsch
stehen am Dammtorbahnhof und sich gegenseitig die Uhren aufziehen."
Na, das hat gesessen." (Dirk Ruder, Gigi - Zeitschrift für sexuelle
Emanzipation) "Diese Lesung gilt als Geburtsstunde der Popliteratur." (Otfried
Käppeler, Südwest Presse) "Fichte unterscheidet nicht zwischen Alltag und Kunst, zwischen
"Hoch"- und "Subkultur", er holt Banales, Szenesprache hinein
in die Literatur. Wie neu, wie frisch das anno 1966 noch angesichts
solcher Autoren wie Böll, Grass, Lenz geklungen haben mag, hört
man schon alleine, wenn das Publikum vor Lachen tobt nach Sätzen
wie: "Wörter für Polizist: Senatscowboy, Blauer, Bulle, Polyp."
Heute, da sich Popliteratur zuletzt in Affirmation und Neokonservativismus
aufrieb, klingt das, was Fichte bei deren Geburtsstunde machte,
zudem ungeheuer subversiv." (Frank Schuster, Testcard) "Akustische Post aus dem Jahr 1966: Hubert Fichte blickte mit
so klarem wie humorvollem Auge; er (ver-)dichtete und schrieb
mit einer unbändigen und zugleich hoch kontrollierten Sprachlust;
er war ein Wortfeldakrobat - und bei der Lesung im Star-Club wäre
ich verdammt gern dabei gewesen, denn vortragen konnte der Mann,
dass es eine Wonne ist ihm zuzuhören. Was supposé (man kann diesen
Kölner Verlag und sein wunderbares Programm nicht oft genug loben)
möglich macht; die haben den Mitschnitt veröffentlicht. Wortkunst
und Lautkunst, im Zusammenspiel mit der tollen Garagenbeatmusik
von Ian & the Zodiacs: Das ist psychedelisch, sinnlich, intellektuell
und, 'No money, no honey, no money, no love', zeitvoll und zeitlos
zugleich: klasse." (Gitta List, Schnüss - Das Bonner Stadtmagazin) "Ein Fundament so genannter Popliteratur" (Thomas Meinecke, DIE
ZEIT)
Hubert Fichte
Beat und Prosa
Live im Star-Club Hamburg 1966
Herausgegeben von Klaus Sander
Musik: Ian & The Zodiacs, Ferre Grignard
Audio-CD, 50 Minuten
ISBN 3-932513-41-X
EUR 18,00
Am 2. Oktober 1966 liest der Schriftsteller Hubert Fichte im Star-Club
von St. Pauli im Wechsel mit Beat-Gruppen Auszüge aus seinem,
im Entstehen befindlichen Romanmanuskript Die Palette.
"Das Experiment dieser Texte mit heißer Beat-Musik war eigentlich
keines: genau der hämmernde, unerbittliche, gelegentlich weiche,
gelegentlich rasend harte Rhythmus dieser Musik ist die spontane
Artikulation dessen, was in Fichtes Prosa bedacht, nein analysiert
wird. Der sensationelle Erfolg dieser literarischen Lesung auf
Hamburgs Reeperbahn, an der Entstehungsstätte der Beatles, hängt
mit diesem mühelosen Synchron zweier Medien zusammen." (Fritz
J. Raddatz)
"Hier, im 'heiligen Sanktus-Paulus-Village', erschlug der Beat
die Prosa nicht; beide koexistierten, mehr: sie machten gemeinsame
Sache, sie dementierten das angebliche Schisma zwischen der Sub-,
der Pop-Kultur, die ihre Kleidung und Sprache und Umgangsformen
hat, und der seriösen, der höheren, der dunkel gekleideten 'eigentlichen'
Kultur. Dichterlesungen ist sonst oft ein Element der Verlegenheit
eigen, herrührend aus der Anstrengung, die es kostet, sich zu
einer feierlichen Kulturtat aufzuschwingen... Hier, im 'Star-Club',
wurde eine andere Form ausprobiert, und sie funktionierte: Die
Diskrepanz schien fast ausgelöscht. Der Dichter fand zwanglos
ein neues Publikum." (Dieter E. Zimmer, Die Zeit, 7.10.1966)
- Hier ist mein Sound. Ich steh vor euch. Das mach ich.
Zweitausend Menschen. Auf St. Pauli, die nie sonst ein Buch in
die Hand nehmen." (Hubert Fichte, Die Palette)