Vilém Flusser "Man hält die Heimat für den relativ permanenten, die Wohnung
für den auswechselbaren, übersiedelbaren Standort. Das Gegenteil
ist richtig: Man kann die Heimat auswechseln oder keine haben,
aber man muß immer, gleichgültig wo, wohnen. Der Mensch kann überall
wohnen: unter den Pariser Brücken, in Zigeunerkarawanen, in den
Hütten der Paulistaner Favelas und sogar in Auschwitz. Er ist
wie die Ratte - kosmopolitisch... Stimmen der Kritik: "Vilém Flusser besaß die seltene Gabe, Thesen zum technischen
Fortschritt und zum Fremdenhaß miteinander zu verknüpfen. Sein
legendärer Vortrag Heimat und Heimatlosigkeit, der jetzt auf CD
erschienen ist, verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Medientechnik
und der ethischen Frage nach dem Umgang mit dem anderen aus fremden
Kulturen." (Telepolis) "Das Erfrischende an Flussers Zugang auf Heimat liegt daran, dass
er durch seine Erfahrungen in Brasilien den eurozentristischen
Blick weit hinter sich gelassen hat. Dem durch die Zeitumstände
zum globalen Wanderer gewordenen Philosophen ist Heimat zutiefst
suspekt: "Der Mensch ist ein wohnendes, aber nicht notwendigerweise
ein beheimatetes Wesen." Nach zwei Jahrhunderten Heimatideologien
wirft er den Begriff in die Ausnüchterungszelle der Entmystifikation."
(Thomas Milz, ZVW Rems-Murr-Kultur)
Heimat und Heimatlosigkeit
Herausgegeben von Klaus Sander
Audio-CD, 49 Minuten
Booklet, 16 Seiten
ISBN 3-932513-12-6
vergriffen
Wer aus der Heimat vertrieben wird (oder den Mut aufbringt, von
dort zu fliehen), der leidet. Die geheimnisvollen Fäden, die ihn
an Dinge und Menschen binden, werden zerschnitten. Aber mit der
Zeit erkennt er, daß ihn diese Fäden nicht nur verbunden, sondern
angebunden haben, daß er nun frei ist, neue zwischenmenschliche
Fäden zu spinnen und für diese Verbindungen die Verantwortung
zu übernehmen."
CD:
Die eigene Biographie (Robion, September 1991) 3:34
Heimat und Heimatlosigkeit (Weiler/Allgäu, August 1985) 44:40
Ungekürzte Originaltonaufnahme
Booklet:
Häuser bauen (1989)
Vom Zelten (1990)
Vertreibung (1989)
Nationalsprachen (1991)
(Reproduktion der Originalmanuskripte)
"Wenn Flusser redet, geschieht Unvergleichliches: Kühne Theorie
und gegen den Strich Gedachtes komprimiert sich zum rhetorischen
Feuerwerk!"
(Herbert Spaich, SWR)
"Diese CD ist uneingeschränkt zu empfehlen! Flussers Art, Gedankengänge
zu entwickeln sind unvergleichlich...
(Reticon)
"Seine Bücher wurden in den achtziger Jahren viel gelesen. Man
wird in den kommenden Jahrzehnten nicht ohne sie auskommen. Aber
es ist noch überzeugender, seine Stimme zu hören, auch der begeistertste
Leser sollte Flussers CD über Heimat und Heimatlosigkeit hören. Sie ist ein großartiges Gegengift für alle nostalgischen
Regungen der Gegenwart. Das alte Prager Deutsch, das hier und
da überlagert wird von durch die Aneinanderreihung von a, u, und
o in die Länge gezogenen brasilianischen Lauten, immer wieder
ein auffälliger englischer Zwischenton. Und auch das Französische
bricht manchmal durch, wenn ein ch auf ein i folgt. Flussers Stimme
hat Flussers Geschichte aufgezeichnet, und wer ihr zuhört, der
bekommt eine Ahnung davon, wie weit man sich von der Heimat entfernen
kann, ohne sie los zu werden, und wer nicht nur hört, wie Flusser
spricht, sondern auch darauf, was er sagt, dem wird klar, dass
darin auch ein Fluch liegt." (Arno Widmann, Perlentaucher)