Wem gehört die Geschichte? Aleida und Jan Assmann, seit Jahrzehnten ein eingespieltes Team,
sind als Literaturwissenschaftlerin und Ägyptologe der Erinnerungskultur
auf der Spur: unseren Gedächtnissen, Inszenierungen von Geschichte,
Mnemotechniken, Mythen, der Geschichte in Geschichten. Die programmatische
Praxis von supposé, eine eigenständige Kunstform für das frei erzählte Wort zu entwickeln,
wird hier mit einer Produktion fortgeführt, die aus dem Gespräch
heraus auch eine Theorie solchen Erzählens unternimmt und dabei
zwei Stimmen, zwei sich ergänzende Perspektiven zu Wort kommen
lässt. Stimmen der Kritik: "Die Idee von Thomas Knoefel und Klaus Sander, für das Label supposé die Assmanns an die Mikrofone zu bitten und gemeinsam erzählen
zu lassen, war charmant: ein Ehepaar im Rückblick auf den Werdegang
ihres Theorie-Babys, das eine so erstaunliche Karriere erlebt
hat. Zudem passt dieses originelle Zwiegespräch in die großartige
supposé-Reihe Erzählte Wissenschaft, in der bedeutende Gelehrte über ihr Fachgebiet plaudern. Routiniert
spaziert also das Ehepaar in freier Rede durch die kulturellen
Weiten: sie forciert rasch, fast ungeduldig, er ruhig und gemessen,
einander ablösend und nie unterbrechend, sondern sicht stets rücksichtsvoll
ausreden lassend. So lässt man sich vom assoziativen Erzählen
mittragen, das um menschliche Erinnerung und ihre symbolischen
Formen kreist: Es geht um Pyramiden, Proust und Albert Speers
monumentale Architekturentwürfe, mythische Erzählformen, die Notwendigkeit
des Vergessens und problematische Zeitzeugenschaft. Anschaulich,
sympathisch und anekdotenreich." "Jenseits von allen akademischen Eitelkeiten gelingt es Aleida
und Jan Assmann, dem interessierten Hörer entscheidende Türen
zu öffnen, die in die Vergangenheit führen, ohne dass sie dabei
die Gegenwart aus dem Blick verlieren." "Aleida und Jan Assmann haben den Erinnerungsdiskurs in den letzten
zwei Jahrzehnten durch ihre wissenschaftlichen Arbeiten geprägt.
Kollektives Gedächtnis, Erinnerungskultur, Überlieferung - das
sind die Themen, die sie, sich gegenseitig die Bälle zuwerfend,
noch einmal anhand historischer Episoden durchspielen. Es ist
nicht nur ein Gewinn, den beiden dabei zuzuhören, sondern auch
ein Vergnügen." "Aleida und Jan Assmann sprechen abwechselnd, einander ergänzend
- dieses Hörbuch enthält gewissermaßen einen dialogischen Vortrag,
der jedoch nicht im Duktus einer Universitätsvorlesung daherkommt.
Denn in der Reihe 'Erzählte Wissenschaft' von supposé geht es immer um eine persönliche Form der Wissensvermittlung,
die im Gespräch entsteht: Die Sprache wird einfacher, wenn man
ohne Manuskript spricht. Außerdem gewinnt die Atmosphäre für den
Hörer eine Intimität, in der man den beiden gerne folgt auf ihren
Gedankengängen über das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit,
Zeitzeugenschaft und historischem Kanon, Erinnern und Vergessen." "Die Haltung der Nachgeborenen zur Vergangenheit unterliegt Veränderungen,
sodass auch das Bild von der Geschichte Wandlungen erfährt. Die
Geschichte gehört denen, die sie deuten. Das Interesse der Assmanns
ist darauf gerichtet, wie sich der Umgang mit der Geschichte im
Spannungsfeld von politischer Vereinnahmung und geschichtlicher
Aufarbeitung gestaltet." Hörbuch der Woche (B5 aktuell) "100 Minuten, die einem nie lang werden." "Indem beide Assmanns, einander abwechselnd, selbst erzählen,
bekommt man einen eleganten Abriß der (Vor-)Geschichte ihrer eigenen
Postition zu hören. Dazu kommt die Begeisterung für das gemeinsame
Denken, für Nilstandsmessungen und Kohl-Kritik sowie für polnische
Handwerker, die durch den Aufbau der Warschauer Altstadt zu 'Weltmeistern
der Anastylose' (Rekonstruktion von Gebäuden) wurden." Ausgezeichnet als "Bayern 2 Favorit"

Aleida und Jan Assmann über Erinnern und Vergessen
Konzeption & Regie: Thomas Knoefel und Klaus Sander
Erzähler: Aleida und Jan Assmann
Aufnahmen: Klaus Sander
Schnitt und Mastering: Michael Schlappa
Produktion: supposé 2011
2 Audio-CDs, 100 Minuten
ISBN 978-3-932513-94-7
Euro 19,80
BESTELLUNG
Aleida und Jan Assmann beleuchten, wie Fakten und Fiktionen, Erinnern
und Vergessen zusammenhängen. Sie finden altägyptische Ideen in
unserer christlich-abendländischen Welt, fragen, ob Monumentalbauten
als Zeichen politischer Identität heute noch zeitgemäß sind, wie
wir die "kreative Zerstörung" oder gegenwärtige Rekonstruktion
symbolträchtiger Bauten verstehen können und was das ehemalige
Bildungsbürgertum vom heutigen Konsumenten unterscheidet. In einem
Wechselspiel freier Rede erörtern sie das Verhältnis von Mündlichkeit
und Schriftlichkeit, Erinnerungsarbeit und Zeitzeugenschaft, den
Kanon, das Heilige, die Traumata unserer jüngsten Vergangenheit
und Denkmäler im Raum und in der Zeit.
Immer wieder kommen die Assmanns dabei auf die Frage zurück: Wem gehört die Geschichte? Wer hat die Hoheitsgewalt, darf sich Geschichte aneignen? Wenn
in ihren lebhaften und inspirierenden Denkbewegungen die frühen
Hochkulturen auf die Gegenwart treffen, die Pyramiden auf den
Palast der Republik, Homer auf Marcel Proust, dann ergeben sich
überraschend neue, erhellende Perspektiven.
CD1
1 Die Noch-Gegenwart des Vergangenen
2 Geschichte und Fiktion
3 Unerzählbares
4 Oral History
5 Vom Wandel des Historismus
6 Erinnerungsmodelle
7 Aneignung von Geschichte
CD2
1 Erinnern und Vergessen
2 Trauma
3 Identitätsstiftung durch Architektur
4 Kreative Zerstörung
5 Weltmeister der Anastylose
6 Heilige Kühe
7 Die Geburtsstunde des Kanons
8 Denkmäler in der Zeit
(Alexander Cammann, DIE ZEIT, 20. April 2011)
(Michael Opitz, Deutschlandradio Kultur, 3. Juni 2011)
(Ulrich Rüdenauer, Falter, 10. August 2011)
(Christel Wester, WDR 3 Passagen, 11. August 2011)
(Michael Opitz, hr2 Mikado, 12. August 2011)
(Knut Cordsen, B5 aktuell, Oktober 2011)
(Tim Schomacker, literatur konkret, Nr. 36, 2011/2012)
(18. Oktober 2011)