Freitag, 6. Juni 2003, 21 Uhr
Graz, Thienfeld, Mariahilferplatz 2
im Rahmen von "Selfware. Politics of Identity" - ein Projekt von Graz 2003 Kulturhaupstadt Europas

Klaus Sander (supposé): Musical Creolization


"Synkretismus heißt in den Schwarzen Amerika ja nicht nur die Vermischung der religiösen Gebräuche der Yoruba, Fon, des Kongo, der Ewe, Woloff, der Abakua, der Kromanti, der Mandinka mit denen der Katholiken, Protestanten und Anglikaner, mit Hinduismus, Buddhismus, Spiritismus und den Riten der Indianer und der Äthiopen - Synkretismus heißt immer auch Vermischung von Lebenskategorien und Lebensformen: Herrenhaus und Sklavenhütte, Menschenfresserei und Duldsamkeit, Machismo und Schwulität, Innigkeit und Kommerz. Synkretismus heißt hier aber vor allem Exil." (Hubert Fichte)

Klaus Sander spürt in "Musical Creolization" ausgehend von Hubert Fichtes Untersuchungen afroamerikanischer Religionen in einer Art DJ-Set der oralen Tradition afroamerikanischer, afrobrasilianischer und afrokaribischer ritueller Musik nach. Sein Hörstück umfasst Beispiele traditioneller synkretistischer Musik und Feldaufnahmen (sowohl eigene als auch historische von Melville Herskovits, Lydia Cabrera, Hugh Tracey, Alan Lomax und anderen): Rituale und Zeremonien (Shango, Candomblé, Voodoo etc.), Talking Drums, kreolische Stimmen, Trommelgebete und spirituelle Gesänge, Besessenheitstänze, Geisteranrufungen und Huldigungen afrikanischer Götter (jeweils in ihrer unterschiedlichen synkretistischen Ausprägung, zum Beispiel in Kuba, Nordbrasilien, Haiti, Grenada, Trinidad, Venezuela, Miami ...). Untersucht werden dabei akustische Auswirkungen der verschiedenen Mischformen afrikanischer Traditionen mit anderen religiösen und kulturellen Elementen.

Klaus Sander, geboren 1968, lebt und arbeitet als unabhängiger Verleger, Produzent und Künstler in Köln. Gründer und Betreiber des Labels "supposé", welches sich der Entwicklung und Etablierung einer eigenständigen Audio-Publikationsform für das gesprochene Wort, die extemporierte freie Rede sowie Experimenten zwischen Sprache und Musik im Grenzbereich von Philosophie, Literatur, Kunst und Wissenschaft widmet. Zur Zeit schreibt er gemeinsam mit Jan St. Werner an dem Buch "Vorgemischte Welt", einem Versuch der Auseinanderlegung popkultureller Strategien der Beliebigkeit.

Am selben Abend:

Selfware.visuals

Film- und Videoprogramm
kuratiert und präsentiert von Dietmar Schwärzler, projektor, Wien

Raumpolitiken (ca. 86 min.) 19:00
- Josef Robakowski: From my Window 1978-1999, 1999, Beta, 20 min.
- Corinna Schnitt: Das schlafende Mädchen, 2001, 16 mm, 9 min.
- Greta Snider: Portland, 1996, 16 mm, 13 min.
- Caspar Stracke: No Damage, 2002, Beta, 12 min.
- Carola Dertnig: A Room with a View in the Financial District, 2003, Beta, 5 min.
- Michael Snow: The Living Room - Home 2, 2001, 16 mm, 20 min.
- Linda Wallace: Lovehotel, 2000, Beta, 7 min.

Die / Anderen (ca. 85 min.) 21:00
- Lisl Ponger: Deja vu, 1999, Beta, 23 min.
- Klaus Sander: Musical Creolization, ca. 60min.