Schau dir das an, das ist der Krieg
Dieter Wellershoff erzählt sein Leben als Soldat

Konzeption und Regie: Thomas Böhm & Klaus Sander
Erzähler: Dieter Wellershoff
Aufnahmen: Klaus Sander
Schnitt & Mastering: Michael Schlappa
Produktion: supposé 2010

Box mit 3 Audio-CDs, 215 Minuten
und Booklet, 12 Seiten
ISBN 978-3-932513-95-4
Euro 29,80

Ausgewählt für die hr2-Hörbuchbestenliste (Dezember 2010)
Hörbuch der Woche, B5 aktuell (November 2010)
Bayern 2-Favorit (November 2010)

BESTELLUNG

Ein deutscher Lebenslauf des 20. Jahrhunderts: Geboren 1925, aufgewachsen als Sohn eines Veteranen des Ersten Weltkriegs, als Kind begeistert vom deutschen Soldatentum, meldet sich Dieter Wellershoff als 17-Jähriger freiwillig zur "Division Hermann Göring", mit der er im Jahr 1944 an der zusammenbrechenden deutschen Ostfront kämpft. Der spätere erfolgreiche Schriftsteller und Lektor gehört zu jener Generation, die den Wiederaufbau eines demokratischen Deutschland gestaltete und es bis heute prägt. Über ihre so entscheidenden Erfahrungen im Krieg und ihren Lebensalltag als Soldaten hat diese Generation jedoch weitgehend geschwiegen, öffentlich ebenso wie privat.
65 Jahre später spricht Dieter Wellershoff über seine Erinnerungen, erzählt während der mehrtägigen Aufnahmen zum ersten Mal in seinem Leben einem direkten Gegenüber umfassend von seinem Kriegserlebnis: Schonungslos und detailliert schildert er den Anblick der gefallenen Kameraden, die eigene Verwundung bei einem aussichtslosen Kampfeinsatz, seine Zeit in der Lazarettstadt Bad Reichenhall, die Flucht vor den heranrückenden russischen Truppen, die amerikanische Gefangenschaft, die ersten Monate nach dem Krieg.
Wellershoffs Beschreibungen sind von einer immensen Präsenz. Eine Präsenz, die beweist, wie gegenwärtig das Kriegserlebnis heute immer noch für ihn ist. Sein umfassender Augenzeugenbericht ist ein einzigartiges, eindringliches Tondokument: die Geschichte des Zweiten Weltkriegs aus der Perspektive eines Soldaten - und großen Erzählers.

CD1
01 Neuss, Burgunderstraße
02 Grevenbroich
03 Spielschar, Schule und erstes Liebeserlebnis
04 Die neue Armee
05 Jungvolkführer
06 Die Welt der Indianer
07 Plötzlich war Krieg
08 Feldzüge
09 Granatsplitter sammeln
10 Tod fürs Vaterland
11 Vormilitärische Ausbildung
12 Tanzkurs, Musterung und Reichskristallnacht
13 Ein Gefühl von Finsternis
14 Berlin
15 Arbeitsdienst
16 Theater
17 Beutewaren und Erschießungskommandos
18 Nach Osten
19 Attentat auf Hitler
20 Göring

CD2
01 Bei Schirwindt an die Front
02 Unter Beschuss
03 Stellungskrieg
04 Fünf Handgranaten
05 Wie weit ist es bis Berlin?
06 Flugblätter und Entlausungsstation
07 Jahrgang 1926
08 Im Memelbrückenkopf
09 Heimatschuss
10 Erntewagen des Krieges
11 Eiter, Kot und Chloroform
12 Lazarettstadt Bad Reichenhall
13 Weihnachtsfeier 1944
14 Endillusion
15 Zwei Krankengymnastinnen
16 Keine Handschuhe
17 Heldenklau

CD3
01 Ausflug an den Königssee
02 Beim Vater in Westfalen
03 Zurück an die Ostfront
04 Melder
05 Herzsprung
06 Die Russen
07 Auf der Flucht
08 In Gefangenschaft
09 Kontrollstelle
10 Zurück in Grevenbroich
11 Ach so ist das
12 Verlorene Autorität
13 Das Problem der Zukunft
14 Psychopanzer
15 Das war ja ich

Stimmen der Kritik:

"Dieter Wellershoff erzählt von seiner Zeit als Soldat der Wehrmacht und seinen Einsätzen an der Ostfront. Klaus Sander und Thomas Böhm konnten Wellershoff, der 1925 in Neuss geboren wurde und heute Kölns bedeutendster Schriftsteller ist, in diesem Frühjahr interviewen. Und wie stets bei den Produtionen von Klaus Sanders supposé-Verlag hat man den Eindruck, dem Sprechenden direkt gegenüber zu sitzen. Der 84-jährige erzählt von den sinnlosen Angriffen gegen einen technisch und zahlenmäßig weit überlegenen russischen Gegner. Er spricht über den Moment, in dem sein Führungsoffizier in den Hals geschossen wird, oder der Kamerad neben ihm in den Rücken. Die große zeitliche Entfernung lässt ihn die Schrecken oftmals nur konstatieren; vieles erzählt sich für heutige Ohren erstaunlich abgeklärt, gerade weil man merkt, wie Wellershoff darum bemüht ist, sich selbst die Ungeheuerlichkeit der Ereignisse zu vergegenwärtigen. Es ist interessant und mutig, dass er sich diesem Erinnerungsprojekt ausgesetzt hat. So ist neben dem Blick auf die konkreten Fronterlebnisse der Ton, mit dem er über Nationalsozialismus und die Kriegskatastrophe spricht, das Vermächtnis, das seine Generation hinterläßt. Mit einem schnörkellosen Erzählgestus, der aus dem realen Leben des Durchschnittsdeutschen berichtet ohne einen moralischen Bedeutungshorizont aufzuziehen, wird hier über den größten Krieg aller Zeiten gesprochen. Es ist faszinierend, dieser Wahrheit zu lauschen, und man folgt begierig Dieter Wellershoffs lässiger rheinischer Intonation. Eine tolle Produktion - zumal sich das Projekt wunderbar in die Erinnerungsreihe von supposé mit Aufnahmen von Peter Kurzeck und Herta Müller fügt."
(Thomas Linden, Kölnische Rundschau, 21. Oktober 2010)

"Dreieinhalb Stunden lang erzählt Wellershoff von seinem Leben als Soldat. Lakonisch, beinah kühl, nichts beschönigend und ganz bewusst ohne theoretischen Überbau. Er vergegenwärtigt sich vielmehr noch einmal ganz minutiös die Perspektive des Siebzehnjährigen. Auch wegen seiner Ehrlichkeit ein unglaublich beeindruckendes Dokument."
(Gabriela Schaaf, Deutsche Welle, Bücherwelt, 30. Oktober 2010)

"Eine Aufsehen erregende, überaus faszinierende Publikation."
(Hajo Steinert, Deutschlandfunk Büchermarkt, 1. November 2010)

"Ein außergewöhnliches Hörbuch"
(SWR 2 Journal, 2. November 2010)

"Dieter Wellershoff, der ehedem kriegsbegeisterte, geht mit sich kritisch ins Gericht, in der Rückschau. Er, der als junger Mann geradezu lüstern in diesen 2. Weltkrieg gezogen war, in der Division des morphiumsüchtigen Gespensts Hermann Göring. In freier Rede lässt Wellershoff Revue passieren, was der Krieg mit ihm machte. Mit ihm, der nach dem Krieg jener Generation angehören sollte, für die der Soziologe Helmut Schelsky den Ausdruck 'skeptische Generation' geprägt hat."
(Knut Cordsen, Bayern 2 kulturWelt, 3. November 2010)

"Eine traumatisierte Generation blieb überwiegend sprachlos, weil die Nachwachsenden vom Krieg nichts wissen wollten und weil Auschwitz und die Verstrickungen der Wehrmacht in Kriegsverbrechen ihre Erfahrungen verdrängte. Was für ein Glücksfall, dass Dieter Wellershoff im Alter noch einmal den Bogen zurück zu den letzten Monaten und Jahren dieses verheerenden 2. Weltkrieges schlägt. Ohne Manuskript erzählt er 215 Minuten lang umfassend über diese für ihn so prägende Zeit, gibt einen tiefen und faszinierenden Einblick wie dieser Krieg ihn und eine ganze Generation formte. Bei einem Himmelfahrtskommando im Memelbrückenkopf entkam er dem massenhaften Sterben nur ganz knapp. Scheinbar ruhig und gelassen erzählt Dieter Wellershoff über diese so ferne Zeit. Und doch wird die Stimme mal forscher, mal leiser, manchmal sagt er zum Schluss 'na ja' oder er lacht kurz auf. Nach und nach entsteht für den Zuhörenden so ein Gewebe aus intensiven Bildern."
(Angela Gutzeit, WDR 3 Mosaik, 3. November 2010)

"Dieter Wellershoff hat am 3. November seinen 85. Geburtstag gefeiert - und seinerseits dem deutschen Publikum termingerecht ein Geschenk überreicht: Auf drei CDs des Labels supposé erzählt er von einer Welt, zu deren Gefüge alsbald auch Uniformen, Fanfarenklänge und Gänsehaut bei Gesängen am Lagerfeuer gehörten - und die dann im Zweiten Weltkrieg völlig aus den Fugen geriet. Wellershoff hat sich schon oft in Essays oder seinem Klassiker 'Der Ernstfall' mit beeindruckender Präzision an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Doch erst die mündliche Erzählung setzt bei ihm einen gewaltigen Erinnerungsstrom frei - eine neue Dimension, die selbst in unserer vergangenheitsversessenen Gedächtniskultur ihresgleichen sucht. Vor unseren Ohren entsteht eine Mentalitätsgeschichte des Nationalsozialismus, jenes Amalgam aus alten Prägungen und Modernität, Hölderlin und Flak. Hier hat jemand für seine Generation ein erschütterndes, dreieinhalbstündiges Zeugnis abgelegt, adressiert an die Nachwelt."
(Alexander Cammann, DIE ZEIT, 4. November 2010)

Ausgezeichnet als "Hörbuch der Woche"
(Bayern 2 / B5 aktuell, 6. November 2010)

"Warum sind die Erinnerungen, die supposé hier auf drei fulminanten CDs veröffentlicht hat, alles andere als eine weitere Folge von 'Großvater erzählt aus dem Krieg'? Weil hier schonungslos auf die eigenen Verfehlungen und Irrtümer geblickt wird. Viel Zeit bleibt nicht mehr, die skeptische Generation Wellershoffs zu fragen. Gut, dass Klaus Sander und Thomas Böhm die Gelegenheit genutzt haben, und diesen großen Erzähler in freier Rede mehr als drei Stunden haben berichten lassen. Besser noch, dass dieses Hörbuch alles andere als Heldengedöns verbreitet, sondern uns den Schrecken des Krieges in eindringlichen Szenen vor Augen führt: den Zusammenbruch aller Solidarität, die absolute Hilflosigkeit, auch die Notgeilheit. Ein wertvolles Dokument."
(Knut Cordsen, Bayern 2 Hörbuchmagazin, 6. November 2010)

Ausgezeichnet als "Bayern 2-Favorit"
(9. November 2010)

"Kurze Episoden, präzise Details. Ganz einfach, ganz nah an dem, was geschieht. Die Stimme ist warm, in ihr schwingen jene Emotionen, die sich die nüchternen Worte nicht gestatten. Darin liegt der gewaltige Zugewinn der Mündlichkeit und des freien Erzählens. Wellershoff spricht schnell, drängend, dann wieder lakonisch. Manchmal hält er inne, als horchte er einem Wort nach oder schaute zurück auf die Szene. Für Sekunden bricht die Distanz des Fünfundachtzigjährigen zu dem jungen Mann auf, der dies alles erlebte, und auch das ist eindrucksvoll. Weder vor noch während noch nach dem Krieg geht es schrill zu, kein flammendes Inferno, kein Klagegesang, kein bevormundender Deutungsanspruch. Im Zentrum steht der Alltag, das Leben von Jetzt zu Jetzt. Unverblümte, deskriptive Genauigkeit ist das Ziel."
(Gisela Trahms, Cult-Mag, 11. November 2010)

"'Wenn man geboren wird, ist die Welt immer schon da. Man selbst kommt erst dazu. Man muss sich erst einmal orientieren.' Das sagt die wohlklingende Stimme ganz zu Beginn, und es fesselt, wie treffend der bald fünfundachtzigjährige Dieter Wellershoff, ein geborener Erzähler, diese Orientierung in Worte zu setzen weiß."
(Oliver Jungen, FAZ, 13. November 2010)

"Vor den Mikrofonen findet Wellershoff einen eigenen Erzählton, von dem man hoffen kann, dass er bleibt, Schule bildet."
(Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung, 15. November 2010)

"supposé ist für seine mittlerweile preisgekrönte Spezialität bekannt, Philosophen, Wissenschaftler, Schriftsteller erzählen zu lassen und daraus Hörbücher zu machen. Nun ist eine weitere erzählte Erinnerung hinzugekommen: die von Dieter Wellershoff. Wie rettet sich ein 17-Jähriger vor dem Krieg, einem Krieg, den er sich ursprünglich als Abenteuer und Heldenfeldzug vorgestellt hatte? Und der dann etwas ganz anderes, eine 'Zeit der Entmenschung' war. Wellershoff hat sich den Krieg von der Seele gehalten, er hat ihn von außen betrachtet, wie ein grausames, faszinierendes Schauspiel, in dem auch ein gewisser Dieter Wellershoff eine Rolle hat. Kein Gefühl: kein Mitleid, keine Angst, kein Hass auf die Verhältnisse, nur Gedanken - Wellershoff produziert mit fast maschineller Zuverlässigkeit ein fortlaufendes Protokoll der äußeren Welt. Schau dir das an, das ist der Krieg ist das Zeugnis einer Abspaltung. Der uns bekannte hochsensible Schriftsteller Wellershoff erzählt von Stellungswechseln, Munitionsmangel, Toten. Es ist ein grausiges, eindringliches Hörerlebnis, denn hinter dem sachlich kühlen Protokoll ist das Kriegstrauma zu spüren. Wellershoff selbst spricht von einem Gefühlspanzer, den er tragen musste, um zu überleben, was er sah: Schau dir das an, das ist der Krieg."
(Brigitte Neumann, NDR kultur, 16. November 2010)

"Schau dir das an, das ist der Krieg ist erzähltes Fotoalbum. Die Bilder sind unverändert, die Erinnerung eingefroren, als hätten die 60 folgenden Lebensjahre Wellershoffs an ihnen nicht rühren können. Einmal hervorgeholt, ist das Trauma wieder präsent..."
(Brigitte Neumann, Deutschlandradio Kultur, 19. November 2010)

"Ungeschönt und ehrlich erzählt der heute 85-Jährige von seinen damaligen Erlebnissen und Befindlichkeiten. Aufnahmen, die man nicht so schnell vergisst."
(hr2-Hörbuchbestenliste, Dezember 2010)

"Dieter Wellershoff erzählt von seinen Kriegserfahrungen. Sehr genau und - was so selten ist! - unverstellt. Ein großes Geschenk an alle Nachgeborenen."
(Dirk Knipphals, die tageszeitung, 27./28. November 2011)

"Das 3-stündige Hörstück Schau Dir das an, das ist der Krieg hat eine bemerkenswerte, fast überall positive Resonanz in den Medien gefunden. Sicherlich auch, weil es einer der letzten authentischen Erinnerungsberichte an den Krieg und die Nazi-Zeit von einem noch lebenden Zeitzeugen sein wird, der zudem über ein Präzisionsgedächtnis und größte sprachliche Ausdruckskraft verfügt ... Es wird nachträglich freigelegt, wie ein Jugendlicher den Alltag dieser Zeit und die Grenzerfahrungen des Kriegsgrauens wahrnimmt und verarbeitet - auch und vor allem seine Verdrängungen, Verwirrungen und Abwehrmechanismen."
(Helge Malchow, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. Dezember 2010)

"Ein Dokument von seltener Eindringlichkeit, nicht zuletzt weil in freier Rede vom Erzähler auf Band gesprochen. So fühlt sich der Zuhörer unmittelbar hineingezogen in den Fluss einer schnörkellosen Prosa, die selbst bei den dramatischsten und verstörendsten Momenten unangestrengt das gerade noch Sagbare am Unsäglichen trifft."
(Hans-Willi Weis, Kommune. Forum für Politik, Ökonomie, Kultur, Nr. 6/10, Dezember 2010)

"Ein außergewöhnliches Dokument des Erinnerns"
(Ulrich Rüdenauer, Falter Wien, Nr. 51-51/2010, 21. Dezember 2010)

"'Erzählte Literatur' nennt sich eine Reihe bei supposé, die mit den Kindheitserinnerungen von Peter Kurzeck und Herta Müller nun bei Dieter Wellershoff angelangt ist. Schau dir das an, das ist der Krieg ist ein weiteres Dokument für ein unvoreingenommenes, befreites Erzählen. Das Erlebte erhält auf den drei CDs eine Unmittelbarkeit, wie es in der bislang publizierten Kriegsliteratur selten zu finden ist. Was Klaus Sander und Thomas Böhm - die beiden Produzenten - schaffen: Sie führen den Autor in eine Erzählhaltung, in der er sich stocknüchtern einem Erinnerungsrausch übergibt. So erzählt man nicht den Kindern, nicht der Frau und nicht den ehemaligen Kameraden... Mit jeder Erinnerungs-CD, die supposé auf den Markt bringt, wird klarer, dass hier eine neue Gattung am Entstehen ist."
(Joachim Leser, CULTurMAG, 22. Dezember 2010)

"Ein hochinteressantes Hörbuch, das mich fasziniert. Es wirkt durch die mündliche Erzählweise. Das ist ein Unterfangen dieses Verlages und auch ein Mut, die Fragen der beiden Fragensteller, die bei Dieter Wellershoff mit dem Tonband waren, herauszuschneiden und den Eindruck zu erwecken, hier erzählt einer aus sich heraus."
(Hajo Steinert, Deutschlandfunk Büchermarkt, 31. Dezember 2010)

"Zeitzeugenschaft, die einen erreicht wie eine kleine Bombe, die einem aus vergangenen Jahrzehnten weitergereicht wird und um die Ohren fliegt."
(Denis Scheck, Deutschlandfunk Büchermarkt, 31. Dezember 2010)

"Ich bin froh über Wellershoffs Offenheit. So ähnlich kann ich mir das vorstellen, was damals dem Einzelnen geschah, im Krieg. Aus dem Exkurs in seine Kindheit wird sofort klar, warum er sich mit siebzehn freiwillig gemeldet hat, ja melden musste. Und heute, aus dem Abstand von beinahe sieben Jahrzehnten, ist dem Erzähler jede Episode so deutlich, als hätte er sie gestern erlebt. Auf alle Erlebnisse fällt mit gleicher Intensität der Blick des Erzählenden: Schau dir das an, das ist der Krieg. Diese Distanz hat ihn womöglich gerettet und ihm Stück für Stück das Absurde, Verbrecherische und - so empfinde ich es, wenn ich Wellershoff zuhöre, - Triviale, vor Augen geführt, sie hat sein Denken verändert und ihn bereit gemacht für die Zeit danach."
(Christian Brückner, Büchergilde Magazin, Nr. 1/2011)

"Realistisch und reflektiert, diesen Eindruck machen die Erinnerungen von Wellershoff. Es sind drei CDs, auf denen der Schriftsteller wie stellvertretend erzählt für seinen Jahrgang 1925. Realismus und Reflexionen rücken dieses Hörbuch weit weg von Landserprosa oder Kriegsromantik. Was es uns Heutigen sagt: es mahnt zur Vorsicht, vor Kriegsbegeisterung, vor Feindbildern, vor der Aufgabe des eigenen Ichs."
(Tobias Barth, MDR Figaro, 3. Januar 2011)

"Mit Dieter Wellershoff ein hoch agiler Berichterstatter am Wort, dessen unsentimentaler Erzählung man mit Faszination und Grauen lauscht."
(Christiane Zintzen, Neue Zürcher Zeitung, 1. April 2011)

"Was der Krieg mit Menschen macht und was Menschen im Krieg machen, schildert der große deutsche Schriftsteller Dieter Wellershoff in diesem grandiosen Hörbuch."
(Denis Scheck, Mayersche Buchhandlung Katalog, Frühling/Sommer 2011)

"Hier wird Erinnerung lebendig. Worte beginnen zu tanzen und die Zeit verdichtet sich. Dieter Wellershoffs Weg in den Krieg und auch wieder hinaus, so banal es klingt: es ist eine großartige Erzählung. Behutsam komponiert und zusammengesetzt von Thomas Böhm und Klaus Sander, voller Details, die einzigartig bleiben. Noch heute steckt die Unsicherheit von damals in den Worten, denn es ist auch die Art der Erinnerung, die Frage, wie man mit dem umgeht, was gewesen ist. Mit großer Wucht nimmt uns die Erzählung gefangen."
(Ulrich Sonnenschein, hr2 Mikado, 15. April 2011)

"Authentisch, unprätentiös und von beeindruckender Wucht. Ein bewegendes Zeitdokument."
(WDR Fernsehen, west.art Magazin, 26. April 2011)

"Hochkonzentriert, ohne Ausflüchte, aber mit einer gewissen inneren Distanz, erinnert sich der heute 86-jährige an den Krieg."
(Katharina Borchardt, SWR2 Forum Buch, 22. Januar 2012)

"Seiner Generation wurde oft vorgeworfen, dass sie über ihre Beteiligung am Krieg geschwiegen habe. Auch Wellershoff hat seine Erfahrungen erst spät ins Mikrofon gesprochen. In einem langen Monolog schildert er seine Erlebnisse - unverstellt und anschaulich."
(WDR 5 Ohrclip, 24. Oktober 2015)

"Die Stimme ist hell, kommt schnell voran, stockt kaum einmal, kein literarischer Anspruch hemmt sie. Ein Manuskript hat sie nicht. Und sie ist allein. Die Stimmen der Produzenten des supposé-Verlags, ihre Fragen, Nachfragen, Anregungen sind weggeschnitten. Wenn man überlebt, ist die Welt immer noch da. Und wer überlebt, ist Zufall. Diese beiden Sätze treiben sich unter wechselnden Tarnkappen in der Erzählerstimme Dieter Wellershoffs herum, diesem seltsamen Parlando, in dem der Schrecken als Stoff allgegenwärtig ist, ohne in der Stimme des Erzählers anwesend zu sein."
(Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung, 2. November 2015)

"Besonders eindringlich schildert Dieter Wellershoff seine Erfahrungen als 17-jähriger Soldat im Zweiten Weltkrieg. Das Gefühl, davongekommen zu sein, prägt seine Haltung zum Leben."
(Christel Wester, WDR 3 Mosaik und WDR 5 Scala, 3. November 2015)

"Die deutsche Literatur hat Dieter Wellershoff nicht nur schreibend geprägt, sondern auch als Lektor des Verlags Kiepenheuer & Witsch, wo er bedeutende Autoren aufbaute und kritisch begleitete. Doch auch die mündliche Form des Erzählens beherrscht Dieter Wellershoff, davon zeugen zwei eindrucksvolle CD-Produktionen, in denen der Kölner Schriftsteller von seinen Erfahrungen während des Zweiten Weltkriegs und über Alter und Sterben spricht."
(WDR 5 Scala, 3. November 2015)