"Was macht denn den Menschen aus, aus Sicht der Neurobiologie
heute - nicht nur gegenüber Außerirdischen, sondern auch in Abgrenzung
tierischer Lebensformen? Wie sichern wir die Einheit der Menschheit?
Denken wir an Europa, so haben wir ja auch die Fragen der Abgrenzung
vor uns, diesmal innerhalb der Menschheit, aber nicht ohne Virulenzen
wie bei allen anderen Abgrenzungsfragen auch." Nach der gemeinsamen Produktion der CD Die Zeiten des Gehirns (supposé 2004), auf der er von Krankheit schon schwer gezeichnet
erscheint, ist es in den Tagen vor seinem Tod der Wunsch Detlef
Linkes, uns eine Art von Vermächtnis zu diktieren. Daheim, vom
Krankenbett aus, nur auf das Notwendige noch bedacht, redet er
sich von der "Seele", was ihn drängt und nicht ruhig werden läßt.
Erscheint manches plaudernd, fast intim formuliert, ist dieser
Ton doch auch der Ökonomie geschuldet: Mit der sprichwörtlich
letzten Kraft und schon angegriffener Stimme, entwirft er für
uns noch einmal das Panorama seines Denkens, macht es lebendig,
beschwört - wenn uns alles zu entfallen droht, die Welt aus den
Fugen gerät - den bleibenden Horizont, die Hoffnung eines jeden
Menschen: die Gegenwart des Anderen... Inhalt: Stimmen der Kritik: "Kann man sich eigentlich selbst erwürgen? Von dieser Frage ist
es für Detlef B. Linke kein weiter Weg zur Überlegung, was die
Menschheit ausmacht. Vernunft? Würde? Oder sind wir nichts weiter
als eine Fortpflanzungsgemeinschaft? Und die kleinen grünen Männchen,
sind das auch Menschen? Könnten wir überhaupt feststellen, ob
die Marsianer vernunftbegabte Wesen sind? Fragen über Fragen.
Mathematik, Hölderlin, Hirnforschung: Linke bildet daraus einen
philosophischen Kosmos, den der Gedanke der Selbstreferenzialität
zusammenhält; und zum Schluß landen wir wieder bei der Frage,
ob man sich selbst erwürgen kann - am Anfang also. Aber wir sind
weiter als am Anfang." (Claudia Mauelshagen, Psychologie heute) "Was macht den Menschen aus? Wem gestehen wir das Privileg zu,
als Mensch zu gelten, wen schließen wir aus? Auf dem Sterbebett,
mit schwacher Stimme und wachem Verstand, hat der Arzt, Hirnforscher
und Philosoph Detlef B. Linke diese Fragen nocheinmal aufgeworfen.
Die daraus hervorgegangene CD fesselt und befremdet zugleich.
Der Hörer muss sich gut festhalten, um auf dem rasantem Gedankengang
nicht aus der Kurve zu fliegen. Wenn wir den Menschen mit Kant
über die Vernunft definieren, wählen wir bekanntermaßen einen
gefährlichen Weg, warnt Linke; mit ein paar unsicheren "Hängegriffen"
müssen wir die offenkundig unvernünftigen Menschen vor der Ausgrenzung
retten. Müsste ein kantianischer Astronaut aber nicht umgekehrt
vernünftige Außerirdische zur Menschheit rechnen? Und wie kann
man die Vernunft selbst beschreiben - wenn doch jene Vernunft,
die wir explizit machen, nicht dieselbe ist wie die, mit der wir
uns verständigen? Linke, Autor eines Essays über "Hölderlin als
Hirnforscher" und (wie wir hier erfahren) verhinderter Autor eines
Fachbuchs über Kommunikation mit Außerirdischen, traut der literarischen
Imagination mehr als der expliziten Analyse. Die Neurobiologie
übrigens sieht, anders als Kant, die Besonderheit des Menschen
keineswegs in dessen Vernunft, sondern im Akt des Zeigens: Während
andere Primaten bloß imitieren und lernen, sind kleine Menschenkinder
ganz aufs Vorzeigen aus. Auch Linke, der im Februar 2005 im Alter
von 59 Jahren gestorben ist, wollte am Ende seines Lebens seine
Gedanken mit eigener Stimme zeigen. Dass er das tun konnte und
dass wir so sein Denken in dieser abenteuerlichen Tiefe erfahren
dürfen, ist ein großes Verdienst des supposé-Verlags." (Christian
Esch, Berliner Zeitung) "Kurz vor seinem Tod und schon dermaßen geschwächt, dass ihm eine
schriftliche Niederlegung seiner Gedanken unmöglich war, hat es
Detlef B. Linke auf sich genommen, sein 'intellektuelles Testament'
in freier Rede zu formulieren und auf Band aufzeichnen zu lassen.
Mögen sich auch manche von Linkes Äußerungen auf eher spekulativer
Ebene bewegen, an der Notwendigkeit, den in ihnen angesprochenen
Problemstellungen mit größtem wissenschaftlichem Ernst nachzugehen,
besteht keinerlei Zweifel. Die beiden von supposé vorgelegten
bewegenden Tondokumente mit Detlef B. Linke stellen ein Vermächtnis
dar, das noch lange in die Zeit hineinwirken wird." (Adelbert
Reif, Universitas)

Europa und die Marsianer
mit Detlef B. Linke
Konzeption und Regie: Klaus Sander
Erzähler: Detlef B. Linke
Aufnahme und Schnitt: Anja Theismann
Mastering: Piethopraxis Tonstudio Köln
Produktion: supposé 2005
Audio-CD, 69 Minuten
ISBN-10: 3-932513-61-4
ISBN-13: 978-3-932513-61-9
Euro 18,00
1-3 Kommunikation mit Außerirdischen 30:01
4-5 Hölderlin als Logiker 15:38
6-7 Auserwähltheit 14:36
8 Europa 7:49

Detlef B. Linke, geboren 1945 in Struwenberg (Brandenburg). Arzt,
Hirnforscher und Philosoph. Professor für Klinische Neurophysiologie
und Neurochirurgische Rehabilitation in Bonn, ist am 6. Februar
2005 nach langer Krankheit gestorben.