selten gehörte musik (Konzert)

Montag, 14. Januar 2002, 21 Uhr
Volkstheater Millowitsch Köln, Aachener Str. 5

Musiker:
Die Wiener Family (Adam, Ingrid und Oswald Wiener)
Walter Fähndrich
Valie Export
Wolfgang Müller
Friedrich Wolfram Heubach
Marcus Schmickler
Klaus Sander
Thomas Brinkmann
Nils Röller
Stefan Schmidt
Jan St. Werner

Begrüssung: Alfred Biolek

es ist sehr schwierig, etwas zu machen, wenn der verstand sehr beweglich ist. es braucht dann keiner bewegung der gegenstände. sieh dass die ereignisse deine einsicht nicht festlegen, dass die eine interpretation nicht erzwungen werden kann; dass der verstand grösser als sein gegenstand ist (etwa insofern irrtum möglich ist) und sieh dass nur der gelähmte verstand der wirklichkeit bedarf und der verschiebungen in ihr. er sieht die mechanismen nicht, die vom gegenstand zu ihm führen und kann sie nicht ändern; jede veränderung des gegenstandes führt über starre hebel zu einer veränderung seiner auffassung, und jede veränderung einer vorstellung projiziert er auf den gegenstand. neue formen gehören zu einer strategie, mitzuteilen dass man die alten formen anders verstanden hat. aber mir geht es nicht um kommunikation, sondern um die aufweichung meiner vorstellungen.
SELTEN GEHÖRTE MUSIK ist auf dem weg zu grösserer beweglichkeit des verstandes, nicht der ereignisse, und beachtet musikalische formen nicht (musikalische formen: die als eigenschaften des verstandenen wirken aber unbedachte und aufzulösende mechanismen des verstehens sind)...
SELTEN GEHÖRTE MUSIK aus der unfähigkeit: noch nicht vergessen haben, wie man hören muss (und zu den regeln zurückstreben), aber schon unfähig, den kanon anzuwenden; noch nicht im stande, jederzeit das vom andern gemeinte aus dem was man von ihm wahrnimmt zu streichen, aber doch bereits das selbst getane in seiner beliebigen interpretierbarkeit sehen und die modulation der wenigen aspekte, die mir überhaupt auffallen, nicht zur manipulation deines verständnisses sondern gegen die enge meines eigenen meinens einsetzen...
(Oswald Wiener über das Berliner Konzert SELTEN GEHÖRTE MUSIK 1974)

Stimmen der Kritik:

"In der Kunst fördert das Scheitern mitunter schönere Erlebnisse zutage als das Gelingen." (Kölnische Rundschau)

"Dieses musikalische Hierarchien negierende Zischeln, Rascheln, Flöten und Klingeln erinnerte für Momente an die grandiosen Free-Jazz-Aufnahmen des Art Ensemble of Chicago aus den späten sechziger Jahren..." (Süddeutsche Zeitung)

"Die brachial-biedermeierliche Kulisse des Kölner Millowitsch-Theaters bot einen würdig burlesken Rahmen für die wohl merkwürdigste Combo, die je hinter diesem Vorhang zum Vorschein gekommen ist..." (Neue Zeitschrift für Musik)

"Wirkten die Einlagen der älteren Aktivisten zuweilen etwas antiquiert, so erdeten die jüngeren Teilnehmer das Unternehmen immer wieder ästhetisch im Hier und Jetzt..." (De:Bug)

"Ein historisch bedeutsamer Abend..." (Kölner Stadt-Anzeiger)