Vertrauen - Für eine Philosophie der Politik Inhalt: Die philosophische Seite der Politik Wenige Begriffe haben in der letzten Zeit eine größere Konjunktur
gehabt als das Wort "Vertrauen". Eine solche Konjunktur verweist
auf ein erhebliches Defizit, gerät aber auch in die Gefahr, Überdruss
zu wecken, weil man das Wort nicht mehr hören kann. Hilfreich
dagegen könnte es sein, sich anhand der Ideengeschichte die historische
Kontinuität und die grundsätzliche Bedeutung des Zusammenhangs
von Vertrauen und freiheitlichem Zusammenleben vor Augen zu führen,
um die Wiederholungen der Tagesdebatten für einen Augenblick zu
verlassen. Oft öffnet die Rückbesinnung auf die Geschichte zudem
einen neuen Blick auf die Gegenwart. Überlegungen zur politisch-philosophischen
Bedeutung von Vertrauen sind wichtig, um die Fundierung der gegenwärtigen
Debatte in der Ideengeschichte zu verstehen. Von heute aus betrachtet,
stellt sich die Frage, wie es um die Chance von Vertrauen in Deutschland,
in Europa und in der Welt gegenwärtig wirklich bestellt ist. Denn
der seit Jahrzehnten anhaltende Vertrauensschwund in den westlichen
Demokratien kann ja nicht nur mit der moralischen Qualität der
Politiker bzw. überhaupt der Bürger zu tun haben. Wenn zum Beispiel
historische Erfahrungen oder politische Handlungen die Misstrauenspotenziale
in den Menschen stärken, dann helfen philosophische Klärungen,
so notwendig sie sind, in der Praxis nur bedingt weiter. Die Chancen
demokratischer freiheitlicher Politik werden in dem Maße steigen,
wie es uns gelingt, das Vertrauenspotenzial in der Gesellschaft
zu stärken. Das ist nicht die Aufgabe der Politik allein, denn
wir sind nicht einfach Konsumenten, die zurückgelehnt das Treiben
auf dem Markt der Möglichkeiten betrachten oder schauen können,
wie wir die Konkurrenz am besten ausstechen. Wir sind immer auch
Bürger (citoyens), denen das Gemeinwohl, wenn es nicht vor die
Hunde gehen soll, im wohlverstandenen eigenen Interesse genauso
am Herzen liegen muss wie das private... Prof. Dr. Gesine Schwan, geboren 1943, Politikwissenschaftlerin
und Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).
mit Gesine Schwan
Konzeption und Regie: Klaus Sander
Erzählerin: Gesine Schwan
Aufnahme und Schnitt: Anja Theismann
Mastering: Michael Schlappa
Produktion: supposé 2006
Audio-CD, 69 Minuten
ISBN-10: 3-932513-73-8
ISBN-13: 978-3-932513-73-2
Euro 18,00
BESTELLUNG
1 Gesine ist kritisch
2 Entlang der Geschichte politischer Ideen
3 Schulderfahrungen
4 Rebellion und Schuld
Bewährung in der Praxis
5 Präsidentin der Europa-Universität Viadrina
6 Die Kandidatur zur Bundespräsidentin
Politik und Vertrauen
7 Grundkonsens als Voraussetzung demokratischen Handelns