Da fährt mein Zug "Haben Sie schon jemals in Ihrem Leben etwas Wichtiges verloren?" Stimmen der Kritik: "Eine ohne Manuskript mündlich wiedergegebene Geschichte, die
jenen Zauber entfaltet, den man auch von Märchen kennt. Peter
Kurzeck erzählt darin von einem Umsteigeaufenthalt in Straßburg
und wie es dazu kommt, dass sein Nachtzug samt Koffer ein Stück
vorausfährt. Der Aufenthalt wird zum Abenteuer, bei dem die Beschreibung
von vertrauten Orten wie Bahnhofshallen, Hotelrezeptionen und
von typischen Reisesituationen, die geschickten Spannungsbögen
und die präzise Wiedergabe von Dialogen die Vorstellungskraft
des Hörers beflügeln. Schnell meint man, dem Geschehen unmittelbar
beizuwohnen und die Menschen, von denen erzählt wird, kennenzulernen:
den freundlichen Portier vom 'Hotel Bristol', den mürrischen Aufseher
am Bahnhof, zwei besorgte Wärter, die den Koffer aufhalten, und
den wortkargen Taxifahrer... supposé-Verleger Klaus Sander führt mit diesem außergewöhnlichen Hörbuch
fort, was er mit Kurzecks Ein Sommer, der bleibt und Herta Müllers Die Nacht ist aus Tinte gemacht begonnen hat: Die Autoren folgen keinem Manuskript, sondern erzählen
direkt ins Mikrofon, anschließend wird behutsam geschnitten. Sander
scheint nicht nur das Zauberwort zu kennen, das den Sesam zur
Erinnerung und ihrer Poesie öffnet, er führt auch Regie bei einer
Gratwanderung, wie sie die Literatur zuvor nicht gekannt hat:
die zwischen der ordnenden Kraft des Erzählens und spontaner Mündlichkeit.
Die Konzentration und Kunstfertigkeit, die für diese Erzählform
notwendig sind, wirken magisch. Erst recht, wenn Peter Kurzeck,
ein Schatzsucher im Alltäglichen, spricht." (Beate Tröger, Frankfurter
Allgemeine Zeitung, 13. März 2010) "Wundern, nicht ärgern - so lautet eine altkluge Lebensweisheit,
meist leichter beschworen als beherzigt. Peter Kurzeck jedoch
scheint sie zu beherrschen. Mit liebevoller Gelassenheit blickt
er auf das Leben mit seinen Verwicklungen. Er beobachtet die Welt
um sich herum mit hingebungsvoller Aufmerksamkeit. Der große Glücksfall
für sein Publikum: Peter Kurzeck hat für all dies eine Sprache,
kann einfach aber eindringlich beschreiben, was er sieht, hört
und riecht. Selbst misslichen Situationen gewinnt er noch etwas
Positives ab. Zum Beispiel als ihm auf einer Zugreise von Deutschland
nach Frankreich das Gepäck abhanden kommt. Bei einem Halt in Straßburg
steigt er noch mal aus dem Zug, der dann mit seinen Siebensachen
abfährt. Für Peter Kurzeck ein Auslöser von Verwunderung. Nun
sinniert er darüber, ob es die frische Abendluft war, die ihn
aussteigen ließ, oder ob es der Reiz war, sein Leben von außen
zu sehen. Es war auf jeden Fall der Ausgangspunkt für eine weitere
hervorragende Audio-Erzählung von Peter Kurzeck in Zusammenarbeit
mit Klaus Sander. Ihr Titel: Da fährt mein Zug." "Die Sache wäre schnell erzählt: An einem Winterabend verpasste
der Schriftsteller Peter Kurzeck einmal den Nachtzug von Straßburg
nach Avignon, weshalb er im Hotel Bristol übernachten musste und
erst am nächsten Tag nach Südfrankreich fuhr. Doch wenn der magische
Weltenbeschwörer Kurzeck, der nichts vergessen und alles aufheben
will, anhebt, dann wird aus der Geschichte ein 62 faszinierende
Minuten währendes Meisterwerk erzählter Literatur." "Der große Schriftsteller Peter Kurzeck hat eine neue Erzählung
aufgenommen: Da fährt mein Zug heißt sie und entwirft ein ganzes Universum, obwohl sie nur von
einem vergessenen Koffer handelt. Was Kurzeck erzählt, ist nicht
allzu spektakulär, in der literarisch-mündlichen Ausgestaltung
werden daraus ein Abenteuer und eine Geschichte, die die Welt
neu zusammensetzen. Die Zeit dehnt sich auf eine verträumte Weise
ins Unendliche, sie steht in keinem Verhältnis zu Fahrplänen und
anderen Festlegungen. Vor allem aber lebt Da fährt mein Zug von
der Atmosphäre, die Peter Kurzeck, es gibt kein anderes Wort dafür:
herbeizaubert; von der Strahlkraft, die er in die dunkle Nacht,
in der es irgendwann auch noch zu schneien beginnt, hineinsetzt;
von den Epiphanien im Profanen. Hinter alldem steht, das darf
man nie vergessen, eine existentielle Dringlichkeit: Literatur
als Überlebensnotwendigkeit." "Ein Sommer, der bleibt ist die wohl erstaunlichste und faszinierendste Neuerscheinung
auf dem Hörbuchmarkt der letzten Jahre. Nun ist ein neues Hörbuch
mit Peter Kurzeck bei supposé erschienen, das den Zuhörer ähnlich berauscht zurücklässt." "Es kommt einem vor, als würde Peter Kurzeck mit seiner Art zu
erzählen, sich mit den Wörtern an der Welt festklammern, als würde
diese erst in ganzen Sätzen Gestalt und Gehalt für ihn annehmen.
Es macht gerade den Charme des Kurzeckschen Erzählens aus, dass
er auch die allerselbstverständlichsten Dinge benennt, dass er
ihnen eine Aufmerksamket widmet, die ihnen sonst längst versagt
wird. Einmal noch meint man sie aufatmen, aufleben zu sehen..." "Gestreunert sei er schon immer gern, sagt der in Südfrankreich
lebende Schriftsteller Peter Kurzeck. Tatsächlich ist er auch
erzählend ein Meister darin, scheinbar ziellos umherzustreifen
und weitschweifige Umwege zu nehmen. Faszinierend also, dass einen
der Redestrom dieses Stromers so bannen kann. Es gibt Momente
oder einzelne Gedichtzeilen, da fängt die Welt an zu zittern,
sagt Kurzeck einmal auf dieser CD. Wir zögern nicht zu sagen:
Wir zittern bei seiner Erzählkunst." "Peter Kurzeck, Schriftsteller und begnadeter Erzähler, vermag
es, Hörer immer wieder in seinen Bann zu ziehen. Detailversessen
schildert er uns hier ein Erlebnis von einem abfahrenden Zug,
spannend, witzig und anrührend zugleich. Und nebenher macht er
uns Straßburg erlebbar mit seinen Gassen und kleinen Cafés, seinen
Gerüchen und Farben. Große Erzählkunst!" "Gerade in der Einfachheit und in der ruhigen Zugewandtheit, mit
der Kurzeck erzählt, dabei kleine, scheinbar nebensächliche Details
mit einflicht, entfaltet sich eine fast magische Wirkung. Wie
schön Straßen sind, die bergab auf Flüsse zuführen, meint man
geradezu zu spüren. Oder wie leise eine Mischung aus Regen und
Schnee auf die Scheiben fällt, während man im Taxi durch die Nacht
fährt. Übrigens: Schon bei Rainer Maria Rilke konnte man lesen:
'Daß man erzählte, wirklich erzählte, das muß vor meiner Zeit
gewesen sein. Ich habe nie jemanden erzählen hören.' Tja. Rilke
kannte eben das neue Hörbuch mit Peter Kurzeck nicht." "Mit Ein Sommer, der bleibt hat Peter Kurzeck Hörerinnen und Hörern ein ungekanntes Erlebnis
ermöglicht. Jetzt gibt es eine neue CD, auf der er vom Reisen
erzählt, vom unterwegs sein, von Erlebnissen in fremden Städten,
auf Bahnhöfen - und von einem Zug, der ihm einfach davonfuhr,
mitsamt seinem Gepäck..." "Ein Sommer, der bleibt entwickelt einen mächtigen Sog. Ebenso gebannt hört man Kurzeck
auf dem neuen Audiobuch zu. Er beginnt fast wie in einem Märchen
und erzählt von Schliessfächern, Hotelportiers, Bahnhofshallen
und -aufsehern . . . von typischen Reisesituationen und -menschen
halt, doch so, wie wir's eben nicht erzählen könnten." "Peter Kurzeck liest nicht vor, was er für alle Welt geschrieben
hat, sondern erzählt aus dem Moment heraus und scheinbar nur für
uns, als wäre er zu Besuch gekommen und säße in unserem schönsten
Sessel. Die Geschichte beginnt, stellt man sich vor, mit sanften,
wenn auch unhörbaren Atemzügen - wie ein Sänger sich einsingen
muss, muss wohl auch ein Erzähler sich einschwingen, um so leicht
und frei und schwebend sprechen zu können wie Peter Kurzeck. Wenn
dann die Stimme einsetzt, sagt sie nicht nur: 'Damals war es so,
dass es einen Nachtzug gab von Straßburg nach Avignon ...', sondern
auch: Vergiss deine Ungeduld, Zuhörer. Lockere dein Ohr. Genieße.
Und entspannt lehnen wir uns zurück und tun genau das. Die Stimme
zaubert. Glückliche Geschehnisse folgen auf unerfreuliche und
umgekehrt, aber die Stimme behält ein schönes Gleichmaß. Ein Erzählen
in der Ebene ist das, als balanciere jemand sehr achtsam und mit
einem genauen Blick für alles, was ihm begegnet, über ein auf
dem Boden liegendes Seil. Und das Wunder ist eben, dass das kein
bisschen langweilt, sondern fasziniert. Ein Sommer, der bleibt entwarf ein Kindheitspanorama aus Einzelskizzen und begeisterte
Kritik und Publikum. Da fährt mein Zug wagt den Schritt von der Miniatur zur dicht gewebten, zusammenhängenden
Geschichte. Es wäre unsinnig, die beiden Werke gegeneinander abzuwägen,
sie gehören verschiedenen Gattungen an. Sagen wir einfach, dass
dieses Hörbuch exzellent gemacht ist und die Erzählung des Reisenden
bezaubert und beglückt." "Der Schriftsteller Peter Kurzeck hat bei supposé wieder eine neue Geschichte eingesprochen. Wohlgemerkt nicht
eingelesen, sondern frei erzählt - eine Spezialität dieses Kleinverlages,
die von Kurzeck wunderbar bedient wird. Nach dem Riesenerfolg
von Ein Sommer, der bleibt können wir Kurzeck nun erneut zuhören und eine unerhörte Begebenheit
mit ihm nacherleben." "Vom ersten Satz dieser unerhörten Geschichte an kann man nicht
mehr weghören. Peter Kurzeck ist, was es eigentlich nicht mehr
gibt, ein geborener Erzähler. Wenn er spricht, entstehen aus kleinen
Begebenheiten große Ereignisse voller Spannung und Angst, Verzweiflung
und Erlösung. Es gibt ein Happyend, aber das ist gar nicht entscheidend
für den Genuss dieses erneut exzeptionellen Erzählprojekts aus
dem supposé-Programm. Peter Kurzeck zuzuhören macht einfach süchtig. Nach
einer Stunde nächtlichen Schreckens möchte man nur zu gerne mehr
- ach, das ganze Leben! - von ihm erzählt bekommen. Und selbst
der hartnäckigste Buchstabenfreund, dem Gedrucktes über alles
geht, weiß nun wieder: Literatur braucht zuerst eine Stimme -
dann kommt die Schrift!" "Ein Mann geht durch die Stadt - und die Straßen, die Wege, Umwege
und Abwege gehen im Kopf weiter. Der Erzähler gibt der Stadt ein
Gesicht und zeigt, wie sie den Blick erwidert, wenn man sie nur
mit den richtigen Augen ansieht. Im Blick der Dinge und der Häuser
begegnet der Flaneur sich selbst. Peter Kurzeck ist ein Virtuose
des Sich-Verlierens. Seine frei assoziierte, vom supposé-Verleger Klaus Sander aus zahlreichen Aufnahmen montierte Geschichte
vom verpassten Zug ist ein kleines Meisterstück an Rhythmus, Fluss
und Fügung. Wer Peter Kurzeck dabei folgt, wie er sich in die
Stadt vorantastet, spürt ganz deutlich, wie dicht Welt und Sprache,
Beobachtung und Erfindung hier ineinander verwoben sind. Im Gehen
öffnet sich der Erzähler der Welt. Wie Kurzecks Vorstellungskraft
sich dabei an den kleinsten Entdeckungen entzündet, das wirkt
ansteckend und beglückend." "Das Hörbuch beginnt und man ist direkt mittendrin, so als betrete
man ein Zimmer, in dem Peter Kurzeck sitzt, auf einem Sessel,
leicht vorgebeugt und mit gefalteten Händen, die er nur hin und
wieder aufnimmt, erzählt. Es entsteht eine dramatische Spannung,
ein Sog, von dem man sich nur schwer lösen kann. Das liegt vor
allem daran, dass man schon nach wenigen Minuten des Zuhörens
das sichere Gefühl hat, dass er uns meint, dass er uns ganz persönlich
anspricht und sich von unseren wachen Blicken angespornt fühlt.
Denn der Prozess des Erzählens ist bei diesem Hörbuch mindestens
ebenso wichtig wie das Erzählte. Man freut sich über jede Abschweifung,
über jedes Detail und die grandiose Art wie Kurzeck ganz natürlich
bleibt, sowohl in der Stimme als auch in der Wortwahl. Und dann
spüren wir, dass hier ein ganz großer Erzähler zu uns spricht." "Die tolle Idee des supposé-Verlages: Er lässt Schriftsteller Literatur erzählen, zu der
es keine Manuskripte gibt. Durch geschickte Interviews und sensibles
Zusammenschneiden entstehen Hörbücher, die es aber auch wirklich
nur zum Hören gibt. Diesmal erzählt Peter Kurzeck ein Stück seiner
Biografie. Grandios beobachtet er sich selbst, analysiert in dieser
kurzen Erzählung warum er wohl den Zug verpasst hat, was ihm Straßburg
bedeutet, welche Faszination ein Hotel namens Bristol auf ihn
ausübt und verliert sich in unendlichen kleinen Nebenerzählungen,
bevor er zur Hauptgeschichte zurück kommt. Dabei wird es nie langweilig
zuzuhören - wahre Erzählkunst." "Diese CD schildert auf amüsante und liebenswürdig selbstironische
Art eine - verhinderte - Bahnfahrt von Straßburg nach Avignon,
ein kleines Alltagsdrama, das von der Genauigkeit und Anschaulichkeit
der (Selbst-)Beobachtungen und seinen sprachlichen Nuancen lebt." "Kurzeck macht süchtig. Dem Sog seiner leicht nasalen Stimme,
die insistierend ohne Manuskriptvorlage spontan erzählt, kreisend
um den unscheinbaren, tausendfach erlebten Augenblick, dann wieder
vorwärtstreibend, doch wohin? - diesem Sog wird sich kaum jemand
entziehen können. Sofort stellt sich beim Hören von Da fährt mein Zug der Kurzeck-Effekt ein: Man geht hinterher mit anderen Augen
durch die Welt. Klaus Sander vom feinen, kleinen Label supposé hat wiederum die Aufnahme gemacht, wie schon beim Erstling Ein Sommer, der bleibt, der zum 'Hörbuch des Jahres 2008' gewählt wurde. Zwichendurch
hören wir ein besorgtes 'Jetzt hab ich's falsch erzählt' - aber
da können wir ihn beruhigen: Kurzecks Kunst der Seinsbeschreibung
ist einzigartig. Sein Beschreibungsfuror erfasst jede Person und
jeden Gegenstand - und man will unbedingt wissen, wie dieses seltsame
Reiseabenteuer endet..." "Klaus Sander hat den begnadeten Erzähler erneut vors Mikrofon
gebeten - und wieder ist da dieser Erinnerungsstrom, von dem man
unvermeidlich mitgerissen wird. Wenn Kurzeck von seinen Zugreisen
nach Frankreich berichtet, von den Aufenthalten in Straßburg,
von verlorenem Gepäck und dem Glück, in der Nacht loszufahren
und am nächsten Morgen im Süden anzukommen, dann lauscht man einem
Verzauberungskünstler: In einem Ton, der alles Vergehen der Zeit
zu überwinden scheint, und mit einer Stimme, die besänftigend
ist wie die Vorlesestimmen der eigenen Kindheit, lässt er sein
Leben vor dem Hörer neu erstehen. Noch die kleinsten Details,
die unscheinbarsten Beobachtungen werden so zu etwas Erzählwürdigem.
Unendlich könnte das so weitergehen. Unfassbar, dass die CD nach
62 Minuten schon zu Ende ist!" "Man kann Kurzeck nur bewundernd zuhören!" "Da fährt mein Zug beinhaltet eine Fülle besonderer Beschreibungen und Gedanken,
so dass die Episode, wie und warum Kurzeck seinen Nachtzug nach
Avignon - darin sein gesamtes Gepäck - verpasst hat, beinahe,
aber nur beinahe zur Nebensache wird." "In narrativen Spiralen des Vorgreifens, Zurücktastens und des
akuten Berichts entwickelt Kurzeck minuziös die Verwicklungen
um das im Nachtzug in Strassburg nach Avignon deponierte Reisegepäck,
welches sich ohne seinen Besitzer in Bewegung setzt - Albtraum
jedes Reisenden. Genau in diesen Retardierungen, welche von persönlichen
Ritualen, den Reizen Strassburgs oder dem französischen Bahnwesen
handeln, liegt der charakteristische Charme von Kurzecks leichtläufigem
Erzählen. Dass dieses vom nachgerade unwahrscheinlichen, gleichwohl
geglückten Überwinden des Kursbuchs zeugt, fügt der rhetorischen
Improvisation den Reiz eines zärtlichen Schelmenstücks hinzu." "Kurzeck verknüpft all die Vor-, Neben- und Nachgeschichten in
einer großen epischen Improvisation. Man weiß danach wieder mehr
über die Verwicklungen des Lebens. Hinreißend." "Mit Blick auf Ein Sommer der bleibt wurde von der Kritik immer wieder das freie, improvisierende
Erzählen Kurzecks hervorgehoben und sicherlich ist das ein zentrales Moment. Dass sich hier aber Elemente der Improvisation
mit Elementen genauer Durchformung verbinden, wird jedoch gern
übersehen: Mit retardierenden Momenten, mit wieder aufgegriffenen
Erzählfäden, mit einem literarischen Typisierungen folgenden Figurenpersonal.
Und einer genau in die Mitte der Erzählung gesetzten, auf den
Titel verweisenden Klimax, einer minutiös geschilderten Dehnung
der Zeit, jenem geronnenen und aufgefächerten Moment, in dem eben
jene wenigen Sekunden geschildert werden, in denen sich das Verpassen
des Zuges auf dem Bahnsteig des nächtlich-winterlichen Straßburg
abspielt und in denen sich die Wahrnehmungen des Erzählers überschlagen.
Das Ausfahren des Zuges wird so auf über fünf Erzählminuten gedehnt.
Wer bei einer solch artifiziellen Erzählanlage glaubt, hier sei
einem freien Erzähler mal für eine Stunde das Mikro untergejubelt
worden, der verkennt, dass es bei aller Improvisationskraft und
Modulationsfähigkeit des Erzählers Kurzeck die andere, ebenso
zentrale Seite der genauen literarischen Durchformung des Hörwerkes
gibt. Wohl kaum etwas in der Kunst erfordert ein so genaues Kalkül
wie die scheinbare Unmittelbar- und Beiläufigkeit." "Die spezielle Art, in der Kurzeck Orte, Bahnhofshallen, Reisesituationen
und Menschen beschreibt, lässt den Hörer fast unmittelbar am Geschehen
teilnehmen und sich in vielen alltäglichen Details wiederfinden.
Der einprägsame, staunende Tonfall, in dem Kurzeck selbst die
kleinsten Nebensächlichkeiten erzählt, lassen ein besonderes Hörerlebnis
entstehen." "Sehr kunstvoll suggestive Trödlerminuten: Der Erzähler klingt
ehrlich verblüfft über den verpassten Zug, schwelgt aber so begeistert
in den Ablenkungen am Wegesrand, als ob er den Zug mit seinen
Erzählzaubertricks zurückreden könnte." "Das Erlebte steht vor Kurzeck wie ein immer detailreicher sich
auffächerndes Bild. Aus dem Alltäglichen destilliert er Farbe,
Detail, Geruch und Geschmack, gewinnt der Erinnerung Zeit zurück.
Man muss hier von einem Wunder sprechen, von einem Wunder, das
sich aber am aufnehmenden Ende, nicht beim Sender, sondern beim
Empfänger ereignet. Denn aus Detail, Verlangsamung, Wiederholung
entsteht bei Kurzeck Suggestivität: Unsere Sinne öffnen sich für
Übersehenes, der vertraute Alltag wird durch Aufmerksamkeitslust
verzaubert. Am Ende erscheinen die wenigen Protagonisten der nächtlichen
Fahrt fremd und doch uns zugehörig wie etwa die Menschen, die
Edward Hoppers Bilder bevölkern." "Der Zuhörende sitzt in kleinster Runde mit dem Erzählenden zusammen
und scheint diesen zu immer neuen, kleinen Abschweifungen und
Verdeutlichungen zu ermuntern. Diese direkte Ansprache hat eine
Lebendigkeit, die mich begeistert." "Eine große Improvisation in mündlicher Rede." "Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen, und Peter
Kurzeck ist viel gereist, hat viel erlebt und ist dazu noch ein
begnadeter mündlicher Erzähler. Er kann sogar dann erzählen, wenn
er keine Reise tut, sondern seinen Zug verpasst. Man kann das
nicht lesen. Nur hören." "Abschweifungen, Einschübe, Details, Erinnerungen und Weltbeschwörungen
- diesem begnadeten, der Welt zugewandten Sonderling mit unverwechselbarem,
nasalem Tonfall reicht schon die Tatsache, dass er in Straßburg
einmal seinen Zug verpasste, um daraus erzählend einen literarischen
Lebenssound zu spinnen." "Lustvoll ab- und ausschweifend erzählt der Reisende von seinen
Gepflogenheiten und kennt keine Scheu, Obsessionen und Neurosen
auszubreiten. Je länger Kurzeck an seinem oralen Zaubermantel
webt, desto stärker leuchten dessen Farben. Das Leben selbst erscheint
in einem anderen Licht, wenn man Peter Kurzeck begleitet, wie
er durch das winterliche Straßburg streunt, sein Gepäck auf denkbar
umständliche Weise in einem Hotel unterstellt oder an jeder zweiten
Straßenecke seine geruhsamen Spaziergänge unterbricht, um in einem
Café einzukehren. Der penible Beobachter Kurzeck findet sich im
Leben erst zurecht, wenn er - schriftlich in seinen Romanen, mündlich
in diesen außergewöhnlichen Hörbüchern - Rechenschaft über seine
Alltagsverrichtungen und seine Empfindungen ablegt. Erzählen ist
hier in tiefer existenzieller Bedeutung eine Überlebenstechnik,
und wenn Kurzeck davon berichtet, wie er im Straßburger Bahnhof
aus seinem Zug aussteigt, um sich die Beine zu vertreten, und
dann schockiert zusehen muss, wie sich dieser Zug ohne ihn in
Bewegung setzt, kommt man nicht umhin, diesem Missgeschick derart
angespannt zuzuhören, als lausche man einem packenden Kriminalroman." "Abgefahren!" "Wie jeder gute Erzähler spielt auch Kurzeck mit dem Anekdotischen.
In Da fährt mein Zug spazieren wir mit ihm durch eine dieser typischen Kurzeck-Anekdoten,
die an sich nicht der Rede wert wären, würden sie nicht genau
jene Prise Spannung erzeugen, die sein ruhiges und detailgenaues
Erzählen nicht onkelhaft, sondern groovy erscheinen lassen."

Peter Kurzeck erzählt
Konzeption und Regie: Klaus Sander
Erzähler: Peter Kurzeck
Aufnahmen: Klaus Sander
Schnitt und Mastering: Michael Schlappa
Produktion: supposé 2010
Audio-CD, 62 Minuten
ISBN 978-3-932513-92-3
Euro 16,80
Ausgewählt für die hr2-Hörbuchbestenliste Mai 2010
Ausgewählt für die hr2-Hörbuchbestenliste Juni 2010
BESTELLUNG
Der Taxifahrer, dem sie gestellt wird, muss lange über die Frage
nachdenken, doch der Ich-Erzähler ist schon mitten drin in seiner
Geschichte. Und während er mit existenzieller Dringlichkeit sein
ohne ihn im Nachtzug aus Straßburg davongefahrenes Reisegepäck
wiederzuerlangen sucht, finden, indem er von ihnen erzählt, unversehens
auch Dinge, Menschen und Augenblicke, die unwiederbringlich sind,
noch einmal zu ihm zurück - und zu uns, indem wir ihm zuhören.
Denn: "Man muss solche Geschichten erzählen, sonst hält man es
nicht aus."
Nach dem ersten ohne Manuskriptvorlage frei aus dem Gespräch heraus
entfalteten Roman Ein Sommer, der bleibt. Peter Kurzeck erzählt das Dorf seiner
Kindheit, der von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert und als "Hörbuch
des Jahres 2008" ausgezeichnet wurde, haben sich Peter Kurzeck
und Klaus Sander mit Da fährt mein Zug der nächsten Herausforderung gestellt: eine Erzählung im Wortsinn,
nicht mehr episodenhaft, sondern in einem einzigen Bogen über
62 Minuten gesponnen.
(Sabine Tenta, WDR.de Panorama, 16. März 2010)
(Michael Schreiner, Augsburger Allgemeine, 3. April 2010)
(Christoph Schröder, SPIEGEL online, 5. April 2010)
(Blütenleser Newsletter, 5.-11. April 2010)
(Tobias Lehmkuhl, Süddeutsche Zeitung, 16. April 2010)
(Knut Cordsen, Bayern 2 Hörbuchmagazin, 24. April 2010)
(hr2-Hörbuchbestenliste, Mai 2010)
(Wiebke Poromka, Das Magazin, Mai 2010)
(Dorothee Schmitz-Köster, Radio Bremen Literaturzeit, 2. Mai 2010)
(Regula Freuler, NZZ am Sonntag, 2. Mai 2010)
(Gisela Trahms, Titel-Magazin, 3. Mai 2010)
(Angela Gutzeit, Deutschlandfunk Büchermarkt, 14. Mai 2010)
(Florian Felix Weyh, Deutschlandfunk Büchermarkt, 14. Mai 2010)
(Frank Kaspar, WDR 3 Passagen, 27. Mai 2010)
(Ulrich Sonnenschein, hr2 Mikado, 25. Juni 2010)
(Marlis Schaum, Deutsche Welle Aufgelesen, 16. Juli 2010)
(Ronald Schneider, ekz.bibliotheksservice ID/IN 2010/31)
(Alexander Cammann, DIE ZEIT, 5. August 2010)
(Ulrich Rüdenauer, Falter Wien, 11. August 2010)
(Monika Steinkopf, Berger Bücherstube Lesetipps, August 2010)
(Martin Gaiser, Radio freeFM, 27. August 2010)
(Christiane Zintzen, Neue Zürcher Zeitung, 3. September 2010)
(Christoph Schreiner, Pfälzischer Merkur, 10. September 2010)
(Christian Riedel, literaturkritik.de, 15. September 2010)
(Doris von Eltz, Der Evangelische Buchberater 10/2010)
(Jutta Person, Literaturen, Oktober/November 2010)
(Bernhard Gleim, Literaturen, Oktober/November 2010)
(Christian Brückner, Büchergilde magazin, Oktober/November/Dezember
2010)
(Christoph Schreiner, Saarbrücker Zeitung, 15. Dezember 2010)
(Axel Vits, Der andere Buchladen Köln, Januar 2011)
(Michael Schreiner, Augsburger Allgemeine, 28. Januar 2011)
(Rainer Moritz, WDR3 Gutenbergs Welt, 30. Januar 2011)
(Jürgen Holwein, Stuttgarter Nachrichten, 16. April 2011)
(Katharina Schmitz, der Freitag, 27. Mai 2011)